“Eltern“für ein Wochenende

Präventionsprojekt im CJD vermittelt Wissen und Kompetenzen im Umgang mit Kleinkindern

Baby-Simulator
Kinderzimmer im Baby-Apartment

„Während der Ausbildung ein Kind?“ Diese Frage beschäftigt viele junge Erwachsene. Wenn man sich mit diesem Gedanken intensiv auseinandersetzt, so zieht das eine Vielzahl weiterer Fragen nach sich. Bin ich schon reif für ein Kind? Kann ich den Alltag meistern? Bekomme ich das alles unter einen Hut? Schaffe ich den Wiedereinstieg nach dem Babyjahr oder warte ich lieber, bis ich meinen Berufsabschluss in der Tasche habe? Bleiben diese Fragen unreflektiert, kann sich schnell ein Zustand der Überforderung und Hilflosigkeit bei jungen Eltern einstellen.

Im CJD Berufsbildungswerk Gera gibt es seit 2010 ein Präventionsprojekt, das Antworten auf diese Fragen liefern und Kompetenzen fördern soll. Dafür wurde dank einer Spende durch Herrn Friedhelm Loh ein Babysimulator angeschafft, um den man sich ein Wochenende, im eigens dafür eingerichteten Babyappartement, kümmern muss. Wichtige Ziele des sozialpädagogisch begleiteten „Elternpraktikums“ sind neben der Einübung von Elternkompetenzen, Wissensvermittlung zu elterlichen Aufgaben, Prävention von Gewalt an Säuglingen und Kindern sowie Sexualerziehung. Durch das Elternpraktikum soll eine Erweiterung der Kenntnisse der Rehabilitanden in Bezug auf die Themen Schwangerschaft, Elternschaft und Lebensentwurf erreicht werden. Der Babysimulator sieht nicht nur aus wie ein Neugeborenes, sondern verhält sich auch so. Er schreit bei Hunger oder hygienischen Bedürfnissen. Auch auf Streicheleinheiten oder ein Bäuerchen will er nicht verzichten. Mit Hilfe einer Software werden die Bedürfnisse des „Kindes“ einprogrammiert. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich hierbei vom „pflegeleichten Kind“ bis zum „Schreibaby“ individuell einstellen. Über einen am Handgelenk der Eltern auf Zeit getragenen Chip wird gemessen, inwieweit der Versorgungsbedarf des Simulators gedeckt wird. So ist es später dann auch möglich, den „Probeeltern“ ein Feedback anhand der Betreuungsdaten zu geben.

Die Auszubildenden Jennifer Rose und Steve Klinghammer haben ein Wochenende mit dem Simulator verbracht und ihn Justin genannt. „Wir haben darüber nachgedacht, später einmal selber Kinder zu haben. Unsere Betreuer haben uns dann auf das „Elternpraktikum“ aufmerksam gemacht“ so Jennifer. Sie waren mit Justin einkaufen und spazieren. Nachts mussten sie mehrmals aufstehen, um nach ihm zu sehen. Sie haben Justin gewickelt, gefüttert und mit ihm geschmust. „Das hat viel Spaß gemacht“ sind sich die beiden einig. „Ich würde es auch gern wiederholen, um mich noch verbessern zu können“ fügt Jennifer hinzu. Ein Kind ist momentan für beide aber kein Thema. Sie wollen jetzt erst einmal ihre Ausbildung
absolvieren. Wohnhofleiterin Michaela Feder freut sich über die positive Resonanz auf das Projekt. „Mein Terminkalender ist im Moment voll. Schön ist zudem zu sehen, dass sich auch junge Männer für das Projekt interessieren und sich in Verantwortung üben wollen“.

Jennifer Rose und Steve Klinghammer waren für drei Tage Justins „Eltern“.

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