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CJD aktuell

 

Gewalt,
sexuelle Belästigung und sexueller Missbrauch haben im CJD keinen Platz


Stellungnahme des
CJD Vorstands

„Leichter ins Berufsleben“

Ein Projekt für übergewichtige und adipöse Jugendliche im CJD BBW Gera

Der Anteil übergewichtiger Menschen in Deutschland ist alarmierend. Laut statistischem Bundesamt sind 70 % der Männer und 50 % der Frauen in Deutschland von Übergewicht betroffen. Jeder dritte Jugendliche ist bereits übergewichtig, die Tendenz ist dabei steigend. Genetische Veranlagung, Fastfood, wenig Bewegung, Stress und Unwissenheit sind nur einige Gründe. Übergewicht birgt nicht nur ein enormes Gesundheitsrisiko, sondern hat auch psychosoziale Einschränkungen, Stigmatisierung und aufgrund der eingeschränkten Leistungsfähigkeit, eine erschwerte Vermittlung in den Arbeitsmarkt zur Folge.

Aus diesen Gründen gibt es seit nunmehr einem Jahr im CJD Berufsbildungswerk Gera ein Projekt, indem übergewichtige und adipöse Jugendliche sozialpädagogisch begleitet werden. Hier haben ca. 20 Prozent der Rehabilitanden Probleme mit ihrem Körpergewicht. Dieses Projekt reiht sich ergänzend in das Leistungsspektrum des Berufsbildungswerkes, dessen Ziel die dauerhafte Integration junger Menschen mit Handicap in Beruf und Gesellschaft ist, ein. Das Hauptziel des Projektes ist die umfassende und dauerhafte Änderung des Ess-, Ernährungs- und Bewegungsverhaltens betroffener Rehabilitanden. Sport und Gesundheitspädagogik ist eine von vier Kernkompetenzen des CJD, denen in der täglichen Arbeit zentrale Bedeutung zukommt.

In einem persönlichen Gespräch werden Jugendliche mit einer Adipositas-Diagnose über die Aktivitäten der Gruppe informiert und zur Teilnahme motiviert „Wir leisten Überzeugungsarbeit, zwingen können wir keinen“, so Projektleiterin Marita Stephan. Im Moment arbeiten die Sozialpädagogen intensiv mit acht Rehabilitanden.

Wöchentlich trifft sich die Gruppe zu einer Stunde Theorie und einer Stunde Sport. Im Theorieblock wird Ernährungslehre mittels einer Ernährungspyramide vermittelt. Richtig anschaulich wird es für die Jugendlichen, wenn sie mit der Ernährungswaage arbeiten. Was man an Kalorien in die eine Wagschale legt, muss an Sport in die andere. Somit lernen sie einerseits, wie viele Kalorien Lebensmittel enthalten und andererseits, wie viel Bewegung notwendig ist, diese wieder zu verbrennen.

Weiterhin werden gemeinsam Kontrollstrategien entwickelt, so z.B. alternative Handlungsmuster zu Essattacken, wie Wasser trinken oder einen Freund anrufen, um etwas zu unternehmen.

Nicht unwesentlich ist das Einkaufstraining. Hierbei legen die Sozialpädagogen Wert auf die Kenntnis der Inhaltsstoffe. Vor allem Light-Produkte werden oft unterschätzt, was ihren Kaloriengehalt anbelangt.

Jede Woche füllen die Rehabilitanden Selbstbeobachtungsprotokolle, in denen sie ihr Ernährungs- und Bewegungsverhalten festhalten, aus. Dabei gibt es klare Zielvorgaben, was pro Woche verzehrt werden darf und wie viel Sport getrieben werden soll. Indem sich die Jugendlichen mit ihrem Verhalten direkt auseinandersetzen, lernen sie kritisch zu reflektieren.

Zur sportlichen Betätigung gibt es verschiedene Angebote, z.B. Training an Fitnessgeräten, Fahrrad fahren, Nordic Walking, Schwimmen und Aquajogging im Therapiebecken, die Nutzung der Turnhalle oder des Sportplatzes. Bei der Durchführung des Trainings wird mit leichten Bewegungsformen begonnen, welche im Laufe der Zeit in eine Erhöhung der körperlichen Belastung münden. „Wir müssen darauf achten, dass es gerade bei adipösen Jugendlichen nicht zu einer Überbelastung der Gelenke oder des Kreislaufes kommt. Diesbezüglich suchen wir Sportarten aus, die relativ schonend aber dennoch sehr hilfreich bei der Gewichtsreduktion sind“ so Mitarbeiterin Kirsten Bräunlich.

Highlights sind Gruppenausflüge wie z.B. der Besuch eines Kletterturms im April und eine geplante Kanutour im Sommer.

Die Projektleitung, Internatsmitarbeiter, Mediziner und Sportlehrer arbeiten eng für Erfolgserlebnisse der Rehabilitanden zusammen. Im Freizeitbereich gibt es viele Neigungsgruppen zur sportlichen Betätigung. „Bevor ich ins CJD kam, habe ich kaum Sport gemacht. Jetzt nehme ich neben der Adipositas-Gruppe auch an den Neigungsgruppen Basketball, Schwimmen und Federball teil“ so Michael Winkler, Auszubildender zur Elektrogerätefachkraft im 3. Ausbildungsjahr. Auch die Großküche leistet ihren Teil. So wird neben herkömmlichen Gerichten täglich Reduktionskost und ein Vitalbuffett zur Mittagsspeisung angeboten. Die Gewichtsentwicklung der Rehabilitanden wird am Ende eines Ausbildungsjahres evaluiert. Dafür müssen sie sich regelmäßig im medizinischen Fachdienst der Einrichtung wiegen.

 „Im Idealfall gelingt es uns, den adipösen Jugendlichen zu Beginn seiner Ausbildungszeit für das Projekt zu interessieren, ihn bis zu seinem Maßnahmeende zu begleiten, dabei sein Bewusstsein für gesunde Ernährung zu schärfen und sein Körpergewicht zu reduzieren“ so Marita Stephan.

Dafür stehen jedoch einige Hürden im Weg. Als problematisch sieht sie die konstante Teilnahme am Projekt. „Die Motivation muss dabei immer hochgehalten werden. Lässt sich ein Rehabilitand gehen, versuchen wir gemeinsam mit den Betreuern ihn aufzufangen und zu motivieren“. Auch fällt es den Jugendlichen schwer, ihre theoretischen Kenntnisse über gesunde Ernährung im Internat umzusetzen. Dort essen sie gemeinsam mit vielen Jugendlichen und die Versuchung, etwas Kalorienhaltiges zu sich zu nehmen, ist sehr groß.

Kleine Erfolge haben sich aber bereits eingestellt, freut sich Marita Stephan. „Die Jugendlichen sind aktiver geworden, sowohl in der Ausbildung, als auch im Freizeitverhalten“.


Die Rehabilitanden beim Nordic Walking durchs Jugenddorf.

 

Im Fitnessraum erwärmen sich die Rehabilitanden an verschiedenen Geräten. Kirsten Bräunlich bespricht mit Christian Wolf das Trainingsprogramm.

Im Theorieblock lernen die Rehabilitanden den Kaloriengehalt von Lebensmitteln einzuschätzen und in den Tagesbedarf einzuordnen.

 

Dem Fett auf der Spur: Das Ausfüllen von Arbeitsblättern ist

fester Bestandteil der Wissensvermittlung.